Ab 2026 eröffnet das Heiligtum von Lourdes einen neuen dreijährigen Glaubensweg, der sich am Lukasevangelium orientiert. Drei Jahre, um mit Maria zu pilgern, im Rhythmus ihres Glaubens, ihrer Hoffnung und ihres Lobpreises. Das Jahr 2026 ist hierfür der Ausgangspunkt: Es versetzt uns an die Schwelle der Verkündigung, wo alles beginnt.
„Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28). Diese an Maria gerichteten Worte sind nicht nur eine bibliche Erinnerung: Sie werden zur Aufforderung an jeden Pilger, der nach Lourdes kommt. Eine Einladung, anzunehmen, zuzuhören und ein „Ja“ zu wagen, das ein Leben verändern kann.
Die Katechese ist ab Februar in der Buchhandlung der Grotte erhältlich.
Lourdes im Licht der Verkündigung
Am 25. März 1858, dem Tag, an dem die Kirche die Verkündigung des Herrn begeht, enthüllt die Jungfrau Maria vor Bernadette ihren Namen: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis”. Dieses Datum ist kein Zufall. Es erhellt zutiefst das Geheimnis, das in Lourdes erlebbar wird.
Als Maria zu Bernadette sagt: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis”, nennt sie keinen abstrakten theologischen Titel. Sie gibt zu erkennen, wer sie ist, so wie es der Engel in Nazareth ebenfalls getan hatte. In Lourdes erscheint Maria also mit demselben Geheimnis, das bei der Verkündigung offenbart wurde.
Bei der Verkündigung begrüßt der Engel Maria mit einem einzigen Wort: „Sei gegrüßt, du Begnadete“. Dieser Titel offenbart ihre tiefste Identität: Maria ist seit Anbeginn ihres Lebens ganz und gar von der Gnade Gottes erfüllt. Dasselbe Geheimnis offenbart sie in Lourdes, nicht durch eine theoretische Lehre, sondern durch ein einfaches Wort der Wahrheit über sich selbst.
So erscheint Lourdes als eine lebendige Fortsetzung der Verkündigung des Herrn. In Nazareth wie in der Grotte von Massabielle wählt Gott Einfachheit, Stille und Demut, um sich zu offenbaren. Und wie in Nazareth drängt sich die Gnade niemals auf: Sie wartet auf eine freie Antwort.
Angesichts dieser Offenbarung antwortet Bernadette mit demütigem und treuem Vertrauen, ohne alles zu verstehen. Ihre Haltung entspricht dem „Hier bin ich“ Mariens. Auch heute noch ist in Lourdes jeder eingeladen, sich dieser Bewegung anzuschließen: die Gnade anzunehmen, die Gegenwart Gottes anzuerkennen und ein „Ja“ zu wagen, das das Herz für die Hoffnung öffnet.
Die Verkündigung: der Beginn allen Glaubens
Die Verkündigung zu betrachten, zusammen mit dem Jahresthema des Heiligtums, bedeutet, in den zerbrechlichsten und entscheidendsten Moment der Heilsgeschichte einzutreten. Maria weiß noch nicht, wohin ihre Antwort sie führen wird. Sie kennt weder die kommenden Prüfungen noch das Kreuz. Und doch steht sie da, in vollkommener Bereitschaft.
In Lourdes wird die Verkündigung nicht nuraus Sicht des Evangeliums betrachtet, sondern auch durch das große Mosaik der Verkündigung, das die Rosenkranzbasilika schmückt. Dieses Kunstwerk, das tief im Gebet des Heiligtums verankert ist, bietet den Pilgern eine echte visuelle Katechese.
Im Rosenkranzgebet ist die Verkündigung das erste freudenreiche Geheimnis. Sie öffnet den Weg der Kontemplation, indem sie uns wie Maria dazu bringt, auf das Wort Gottes zu hören. Die Pilger in Lourdes können die freudenreichen Geheimnisse montags und samstags zweimal täglich beten: täglich um 15:30 Uhr in der Grotte und abends während der Lichterprozession oder beim Kerzen-Rosenkranzgebet.
Erstes FREUDENREICHES GEHEIMNIS: DIE VERKÜNDIGUNG
Frucht des Geheimnisses: Demut
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
Lk 1, 26-38.)